750 Watt und kein bisserl mehr Warum Avinox im Rennsport zurückstecken muss

VERÖFFENTLICHT VON DEN RADICAL LIFE STUDIOS / MTB REPORT

Bei der Bosch eMTB Challenge in Whistler ist es Mitte August an der Startlinie durcheinandergegangen – und die Frage dahinter beschäftigt auch die heimische Szene, von Leogang bis ins Zillertal: Wie viel Motor darf ein E-Mountainbike im Wettkampf haben? Die UCI sagt 750 Watt. Mehr ist nicht.

Worum es geht

Seit heuer gilt für UCI-Rennen ein neues Zulassungsverfahren für E-MTB-Motoren. Die Grenze: 750 Watt mechanische Leistung am Hinterrad. Freigegeben sind bisher sieben Antriebe – Aksoll, Avinox, Bosch, Polini, Shimano, Specialized und SRAM. Wer nicht auf der Liste steht, kommt nicht an den Start.

Der Haken für den Senkrechtstarter

Und da liegt der Hund begraben. Der Avinox-Antrieb von DJI hat die letzten zwei Jahre alles aufgemischt: Die aktuelle M2S-Version bringt 1.500 Watt Spitze und 150 Nm auf die Kette – doppelt so viel, wie erlaubt ist. Damit die Fahrer überhaupt starten dürfen, hat Avinox eine eigene Rennversion gebaut: die M2S Race750, per Software auf 750 Watt gedrosselt. Kein Umbau, nur eine Firmware-Bremse. Erst so steht der Motor auf der UCI-Liste. Bei der WM 2025 im Wallis war er noch außen vor.

Avinox baut einen 1.500-Watt-Motor – und muss ihn per Software halbieren, nur um antreten zu dürfen.

Ausgerechnet Bosch richtet aus

Der eigentlich spannende Teil: Die Serie heißt Bosch eMTB Challenge, ausgerichtet vom Platzhirschen selbst. Und Bosch sitzt mit seiner aktuellen Performance Line CX-R fast punktgenau auf den 750 Watt. Der Newcomer muss also ordentlich zurück, während der Etablierte zufällig genau auf jener Linie liegt, die zur Regel geworden ist. Ganz ohne Hintergedanken liest sich das nicht.

Für den Normalfahrer, die Normalfahrerin

Die Entwarnung vorweg: Wer ein Avinox-Bike für den Hausberg fährt, den betrifft das alles nicht. Die Drosselung gilt nur im Rennbetrieb, der Serienmotor bleibt, wie er ist. Die 750 Watt sind eine Wettkampfregel, keine Vorschrift fürs Trailbike.

Und ehrlich: E-MTB-Rennen sind bei uns – Stichwort Leogang – längst ein Thema, aber die allermeisten von uns sind zum Genussfahren am Berg unterwegs, nicht am Stoppuhr-Zettel. „Mehr Bike, weniger Moped“ heißt für uns genau das. Wenn der Wattzahlen-Wettlauf immer weiter dreht, geraten irgendwann auch Grundbesitzer, Behörden und die Wegefreiheit ins Blickfeld – und da ist ein Deckel nicht das Schlechteste.

Die Community ist geteilter Meinung

In den Foren tippen die einen darauf, dass ein gedrosseltes Avinox trotzdem gewinnt – so gut sei die Abstimmung. Andere halten das ganze E-Racing für ein Industrie-Format, nach dem niemand verlangt hat. Und wieder andere bringen es nüchtern auf den Punkt: Wenn der beste Antrieb der Welt auch gedrosselt noch der beste ist, spricht wenig gegen ein vernünftiges Limit.

Wie es weitergeht, wird man sehen – vor allem, ob bald auch andere Hersteller mit „Renn-Tune“ und „Verkaufs-Tune“ anrücken. Fürs Erste gilt: Hier hat einmal die Regel für Zurückhaltung gesorgt, nicht der Markt. Das darf man ruhig anerkennen.


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