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Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report

Cube krempelt heuer das komplette Mountainbike-Programm um. Die Schlagzeilen holen sich Fritzz und Two15 mit ihren neuen Hinterbauten. Die Neuerung, von der ihr im Alltag tatsächlich etwas habt, steht weiter hinten in der Liste: Bei Stereo, Fritzz und Two15 dürft ihr selbst entscheiden, ob die Leitungen durch den Steuersatz laufen.

von Robert Langer

Der Ärger fängt nicht beim Kauf an, sondern beim ersten Service

Im Geschäft sieht ein Rad mit Leitungen durch den Steuersatz einfach besser aus. Nichts hängt herum, nichts scheuert am Lack, vom Lenker verschwindet alles ohne sichtbaren Übergang im Rahmen. Der Steuersatz — also das Lagerpaar, das die Gabel im Rahmen hält — bekommt dabei eine zweite Aufgabe: Zwischen Gabelschaft und Lager sitzt ein Kunststoffteil, durch das die Bremsleitungen und Züge geführt werden.

Auffallen tut das erst im Herbst. Wenn die Saison vorbei ist und Gabelservice, neue Bremsleitungen oder ein anderer Vorbau anstehen, muss die komplette Front zerlegt werden. Was früher ein paar Kabelbinder und zehn Minuten waren, ist jetzt ein Eingriff, bei dem der Lenker abgebaut, der Steuersatz geöffnet und danach alles wieder eingefädelt werden muss.

Was Fahrer und Mechaniker seit drei Jahren sagen

Der Zusammenbau ist der Punkt, an dem die Geduld stirbt. Alle Leitungen müssen zurück in die Aussparungen des Kunststoffteils, und je mehr Züge am Rad hängen, desto enger wird es. Die Lagerabdeckung greift über einen Stift in dieses Teil, und weil auf den Leitungen immer Zug liegt, ist das saubere Aufeinandersetzen eine Fummelei. Zum Schluss wollen noch die Stöpsel zurück in die Öffnungen.

Wie Fahrer in einschlägigen Foren berichten, ist der Unterschied im Alltag eindeutig: Bei außen verlegten Leitungen ist die Gabel in ein paar Minuten draußen und wieder drin, bei Steuersatzführung wird ein halber Nachmittag daraus. Mechaniker schrauben nicht besonders gern an diesen Systemen. Dazu kommen Klagen über weiche Kunststoffringe, die nachgeben und laufend nachgestellt werden wollen, und über Lager, die nicht mehr die Standzeiten früherer Konstruktionen erreichen.

Für uns in Österreich kommt ein Punkt dazu, den man in der Diskussion selten liest: die Terminlage. Wer mitten in der Saison auf einen Werkstattplatz wartet, will diesen Termin nicht für eine Bremsleitung verbrauchen. Und in kleineren Betrieben abseits der Ballungsräume ist die zusätzliche Arbeitszeit auch nicht gratis zu haben.

Ein Radl, an dem man selber arbeiten kann, steht seltener in der Werkstatt und öfter am Trail.

Was Cube heuer wirklich geändert hat

Zum Modelljahr 2027 fallen bei den Rädern ohne Motor die Federwegszusätze One22 bis One77 weg. Das neue Stereo übernimmt mit 150 Millimetern vorn und 145 hinten die Mitte, darüber steht das wiederbelebte Fritzz mit 170 Millimetern und High-Pivot-Hinterbau, ganz oben das neu entwickelte Two15 mit 200 Millimetern. Das Stereo gibt es als C:62 mit Vollcarbonrahmen oder als HPC mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau.

Ausgeliefert wird weiterhin mit Leitungen durch den Steuersatz. Neu ist: Bei Stereo und Fritzz gibt es klassische Zugeingänge hinter dem Steuerrohr, über die sich auf die servicefreundliche Führung umbauen lässt. Beim Two15 gilt dasselbe. Das ist kein Zubehör und kein Werkstattpfusch, sondern im Rahmen vorgesehen — und zwar quer durch die Palette, vom Stereo HPC Race für 1.999 Euro über das Fritzz TM für 2.999 Euro bis zum Two15 SLX für 3.999 Euro.

Ein Gschenk ist das trotzdem keines

Zusätzliche Öffnungen im Rahmen kosten Geld. Sie müssen entwickelt, in der Form berücksichtigt und in der Festigkeitsprüfung mitgetragen werden, dazu kommen Kleinteile, die man lagern und im Servicefall nachliefern muss. Wer sich diesen Aufwand antut, hat vorher ausgerechnet, dass die Kundschaft das will.

Dahinter steckt die gleiche Rechnung wie bei der Modellstraffung selbst: Wenn vier Baureihen auf einer Plattform zusammenlaufen, muss diese eine Plattform beide Sorten von Käufern bedienen — den mit dem cleanen Cockpit und den, der im Winter selber schraubt. Wahlfreiheit ist hier nicht Großzügigkeit, sondern schlicht der Preis dafür, dass man sich die zweite Rahmenvariante spart.

Worauf ihr beim Kauf schauen solltet

  • Fragt beim Händler nach dem konkreten Rad. Serie ist die Steuersatzführung, die Alternative muss aktiv gewählt werden.
  • Wenn ihr umbauen wollt, macht es gleich beim Kauf. Später heißt das Leitungen kürzen, Bremse entlüften und eine Rechnung, die den Preisvorteil des Einstiegsmodells auffrisst.
  • Denkt an die Saison. Ein Umbau im Mai kostet euch nicht nur Geld, sondern einen Werkstatttermin, den ihr sonst für etwas Gescheiteres gehabt hättet.
  • Behandelt die Steuersatzlager als Verschleißteil. Bei durchgeführten Leitungen rächt sich ein vernachlässigtes Wartungsintervall härter — ein festsitzendes Lager kann im schlimmsten Fall den Gabelschaft mitnehmen.
  • Beim Gebrauchtkauf zählt nicht nur der Kilometerstand, sondern wie oft die Front schon offen war.

Unsere Einordnung

Das ist kein Lob auf Cube. Der Auslieferungszustand bleibt die Steuersatzlösung, und wer eine Alternative einbaut, hat die Kritik nicht eingestanden, sondern eingepreist. Wahlfreiheit ist kein Rückzug.

Die Bewegung stimmt trotzdem, und sie kommt dort an, wo sie hingehört: nicht am 8.000-Euro-Rad, sondern in der Großserie ab knapp 2.000 Euro. Also genau bei den Leuten, die keinen Servicevertrag haben, sondern einen Innensechskantsatz in der Garage. Ob andere Hersteller nachziehen, lässt sich heute nicht seriös behaupten — der Druck aus der Szene liegt jedenfalls seit Jahren am Tisch, und zum ersten Mal antwortet ein großer Anbieter nicht mit einer Presseaussendung über Ästhetik, sondern mit zwei Öffnungen im Rahmen.

Für uns ist das dieselbe Logik wie in der Trailpolitik: Bauen schlägt Verbieten — und bei der Technik heißt das Wählen schlägt Vorschreiben. Ein Rad, an dem man arbeiten kann, wird länger gefahren. Und ein Rad, das länger gefahren wird, ist das bessere Rad.

Mehr Bike, weniger Moped.


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