Focus nur noch mit Akku In Österreich ist das längst Alltag

Focus baut ab 2027 keine Mountainbikes ohne Motor mehr. In Deutschland sorgt das für Aufregung. In Österreich, wo bei Erwachsenen schon fast sieben von zehn neuen Radln einen Motor haben, wirkt es eher wie eine Bestätigung. Was das für Einsteiger heißt.

von Robert Langer

Ein deutscher Forumsbeitrag macht gerade die Runde. Ein langjähriger Focus-Fahrer verabschiedet sich mit einem traurigen „Tschüss Focus“ von seiner Marke, weil er im neuen Programm kein Mountainbike ohne Motor mehr findet. Die Diskussion darunter ist lebhaft: Die einen trauern, die anderen sagen, das sei halt der Lauf der Dinge.

Von Österreich aus betrachtet ist die Aufregung fast ein bisserl überraschend. Denn was in Deutschland gerade passiert, ist bei uns schon gelebte Realität.

Was Focus angekündigt hat

Focus streicht zum Modelljahr 2027 das hochgestellte „²“ aus den Namen seiner E-Mountainbikes. JAM, SAM und THRON heißen künftig einfach so. Der Grund steht ganz offen in der Ankündigung vom August: Gleichwertige Bikes ohne E-Antrieb wird es nicht mehr geben. Der günstigste Weg ins Gelände führt bei Focus damit über das THRON 7 um 3.699 Euro. Rennrad und Gravel bleiben ohne Motor im Programm.

Österreich ist Europas E-Bike-Land

Laut Branchenverband VSSÖ wurden in Österreich im Vorjahr rund 389.000 Fahrräder verkauft. 57 Prozent davon waren E-Bikes, bei den Erwachsenenrädern lag der Anteil sogar bei rund 69 Prozent. Kein anderes Land in Europa kommt beim Stückzahl-Anteil so hoch. Beim Mountainbike ist das Bild noch eindeutiger: Wer heute in einem Tiroler oder Salzburger Sportgeschäft ein Fully sucht, findet die Variante ohne Motor oft nur noch in einer Ecke.

Das hat nachvollziehbare Gründe. Bei uns sind Anstiege mit tausend Höhenmetern keine Ausnahme, sondern Alltag. Der Motor macht für viele aus einer Tour, die sie sich nie zugetraut hätten, einen schönen Nachmittag. Das ist nichts Schlechtes.

Wer am Hausberg anfängt, braucht keinen Akku um 3.700 Euro. Er braucht ein ehrliches Radl und ein bisserl Geduld.

Der Haken liegt beim Einstieg

Das Problem ist nicht, dass es E-Mountainbikes gibt. Das Problem ist, wenn es nur noch sie gibt. Das klassische Hardtail war jahrzehntelang der Einstieg in den Sport: Federgabel vorne, kein Dämpfer hinten, kein Akku, Preis deutlich unter tausend Euro. Damit hat man am Hausberg gelernt, wie man einen Anstieg einteilt, wie sich Wurzeln anfühlen und wie man selbst einen Schlauch flickt.

Wenn immer mehr Hersteller diese Tür zumachen, beginnt Mountainbiken für viele bei fast viertausend Euro. Für Jugendliche, für Studierende und für alle, die erst einmal schauen wollen, ist das eine hohe Hürde. Bemerkenswert ist übrigens die Gegenbewegung: Beim Gravelbike legte Österreich im Vorjahr laut VSSÖ um 48 Prozent zu, auf rund 29.000 Stück. Die Lust am Radeln aus eigener Kraft ist also nicht weg. Sie wandert nur vom Wald auf den Schotter.

Wo du dein erstes Radl ohne Motor findest

  • Große Marken mit Einsteiger-Hardtails: Cube führt die Aim-Reihe weiter, in Deutschland mit UVP von 499 bis 699 Euro. Canyon bietet das Grand Canyon, Trek das Marlin. Österreichische Preise bitte beim Händler oder im Onlineshop prüfen.
  • Gebraucht beim Fachhändler: Viele Händler nehmen Räder aus Leasing und Inzahlungnahme zurück und bereiten sie auf. Bei einem Hardtail ohne Akku ist das Risiko gering.
  • Ehrlich bleiben beim Bedarf: 100 Millimeter Federweg vorne, hydraulische Scheibenbremsen, eine Schaltung mit einem Kettenblatt. Mehr braucht es für den Anfang nicht.

Unsere Haltung

Wir fahren selbst E-Mountainbike und finden, dass der Motor vielen Menschen den Berg zurückgegeben hat. Aber ein Markt, in dem es den Einstieg nur noch mit Akku gibt, wird teurer und einseitiger. Focus hat seine Entscheidung offen kommuniziert, das rechnen wir der Marke an. Jetzt liegt es an den anderen Herstellern, die Tür für Einsteiger offen zu halten. Denn auch in Österreich gilt:

Mehr Bike, weniger Moped.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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