Trail Etikette, Mountainbike Österreich, Singletrail Skala, Bikepark Österreich, Trailcenter, Forstgesetz Mountainbike, Mountainbike Einsteiger

Weltweit streitet die Bikeszene gerade über Trails, die einfacher gemacht werden. In Österreich läuft die Debatte anders, denn hier entscheiden selten die Fahrer, wie schwer ein Trail ist. Das entscheiden die, die ihn betreiben.

von Robert Langer

Ein abgesägter Baumstamm in North Carolina hat Ende September eine der größten Community-Debatten des Herbstes ausgelöst. Ein bekannter US-Bikejournalist hatte erzählt, wie jemand eine knifflige Schlüsselstelle auf einem Trail einfach mit der Kettensäge entfernt hat. Sein Vergleich: Das sei, als würde ein Kletterer Griffe in eine Route meißeln, weil er sonst nicht hinaufkommt. Hunderte Kommentare später ist klar: Das Thema trifft einen Nerv, weit über Amerika hinaus.

In Österreich sägt selten der Fahrer

Bei uns sieht die Ausgangslage anders aus. Laut Forstgesetz ist das Befahren des Waldes mit dem Rad nur mit Zustimmung des Waldeigentümers erlaubt. Legale Trails sind deshalb fast immer geplante Angebote: Strecken mit Vertrag, Trailcenter, Bikeparks der Bergbahnen, Routen der Tourismusverbände. Wie schwer ein Trail ist, entscheidet hier meistens nicht ein frustrierter Fahrer mit Klappsäge, sondern ein Betreiber am Planungstisch.

Das ist zunächst ein Vorteil. Wer offiziell baut, baut mit Konzept, mit Beschilderung, mit Wartung. Es birgt aber eine eigene Versuchung: Ein Angebot, das möglichst viele Gäste ansprechen soll, landet schnell beim breiten, glatten Flowtrail. Der verkauft sich gut, fährt sich für alle und macht wenig Ärger.

Wo Betreiber die Schwierigkeit planen, geht es nicht um die Säge. Es geht darum, ob sie überhaupt rote Linien bauen.

Was die internationale Community dazu sagt

Ein Punkt aus der Diskussion passt erstaunlich gut auf Österreich. Viele Fahrer kritisieren, dass Trailnetze und Bikeparks zwei Extreme anbieten: sehr leichte Linien für Einsteiger und spektakuläre Profi-Strecken. Die Stufe dazwischen, auf der man wachsen kann, fehle oft. Gerade die mittlere Kategorie mit echten Wurzeln, Steinen und Stufen sei Mangelware, obwohl genau sie es ist, die aus Einsteigern gute Fahrer macht.

Ein zweiter Punkt ist die Pflege. Erfahrene Trailbauer betonen, dass ein ausgefahrener Trail mit Löchern, toten Wurzeln und Bremswellen nicht schwerer ist, sondern einfach kaputt. Ihn wieder herzurichten ist kein Glattbügeln. Glattbügeln beginnt dort, wo absichtlich gebaute Schlüsselstellen verschwinden, weil sie jemandem zu schwer sind.

Und die E-Bikes?

Über die Rolle der E-Bikes wird in der Debatte am heftigsten gestritten. Die einen sagen, mit Motor stehen Leute schneller vor Abfahrten, für die ihnen noch die Erfahrung fehlt. Die anderen erinnern daran, dass Trails schon verändert wurden, lange bevor es Motoren am Radl gab. In Österreich, wo E-Bikes bei Erwachsenenrädern inzwischen fast sieben von zehn Verkäufen ausmachen, ist das keine Randfrage. Unsere Sicht: Nicht das Werkzeug ist das Problem, sondern fehlendes Wissen. Und Wissen lässt sich vermitteln.

Was du als Einsteiger tun kannst

  • Die Skala lesen. Die Singletrail-Skala ist in Österreich weit verbreitet. S0 und S1 sind blau, S2 ist rot, S3 bis S5 sind schwarz. Ein S2-Trail kann einzelne S3-Stellen haben. Wer das vorher weiß, ist nicht überrascht.
  • Absteigen ist erlaubt. Schieben ist normal. Eine selbst getretene Umfahrung ist es nicht, sie verbreitert den Trail und lädt das Wasser ein.
  • Nichts umbauen. Auf Vertragsstrecken und in Bikeparks verändert man nichts eigenmächtig. Das gefährdet im schlimmsten Fall die Vereinbarung mit dem Grundbesitzer und damit die ganze Strecke.
  • Rückmeldung geben. Wer eine mittlere Linie vermisst, sagt es dem Betreiber. Feedback von Gästen ist für Bergbahnen und Tourismusverbände ein echtes Argument.
  • Gezielt üben. Fahrtechnikkurse gibt es in fast jeder Bikeregion. Ein Nachmittag mit einem guten Guide bringt mehr als jede Abkürzung.

Unsere Haltung

Bauen schlägt Verbieten, das gilt in Österreich besonders, weil fast alles, was legal fahrbar ist, gebaut und vereinbart werden musste. Unser Wunsch an die Betreiber: Baut nicht nur für die Masse und nicht nur für die Profis. Baut die rote Linie dazwischen. Und unser Wunsch an alle Fahrer: Was andere gebaut haben, wird gepflegt und gefahren, nicht umgeformt.

Mehr Bike, weniger Moped. Und mehr rote Linien.

Published by Radical Life Studios / MTB Report


No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert