Wohin mit dem alten Bikereifen Schwalbe testet Reifenrecycling in Österreich

von Robert Langer

Was passiert eigentlich mit einem abgefahrenen Bikereifen? In Österreich soll es dafür bald einen geregelten Weg geben: Schwalbe testet hier als erstem Land außerhalb Deutschlands sein Rücknahmesystem für alte Reifen. Was dahintersteckt, wie das Recycling funktioniert und was du jetzt schon tun kannst.

Stand: 30. Oktober 2026. Schwalbe hat das Pilotprojekt Mitte September angekündigt.

Was angekündigt wurde

Schwalbe sammelt in Deutschland seit Juli 2022 gebrauchte Fahrradreifen über den Fachhandel und recycelt sie. Jetzt soll das System international ausgerollt werden, und Österreich macht den Anfang. Laut Pressemitteilung des Herstellers läuft hier zunächst eine Testphase mit ausgewählten Fachhändlern. Dabei sollen Abläufe und Prozesse geprüft werden, bevor das System richtig startet. Der offizielle Start ist für den Lauf des Jahres 2027 geplant. Pilotprojekte in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg sollen in den kommenden Monaten folgen.

Wichtig für dich: Zurückgenommen werden sollen künftig Fahrradreifen aller Marken, nicht nur Schwalbe-Reifen. Du gibst den alten Reifen beim teilnehmenden Händler ab, den Rest erledigt das System.

Was mit dem Reifen passiert

Der Weg ist in Deutschland seit vier Jahren derselbe. Die Händler sammeln die Reifen in speziellen Boxen, von dort gehen sie zum Recyclingpartner Pyrum Innovations. Dort werden die Reifen zerkleinert und in drei Bestandteile getrennt: Gummigranulat, Stahl und Gewebe. Das Granulat wird anschließend unter Luftabschluss stark erhitzt. Dieses Verfahren heißt Pyrolyse. Dabei entstehen Pyrolyseöl, Prozessgas und sogenannter Pyrolysekoks, im Fachjargon „recovered Carbon Black“ oder kurz rCB. Das Gas nutzt die Anlage, um ihren eigenen Strom zu erzeugen.

Das rCB ist der eigentlich spannende Teil. Carbon Black, auf Deutsch Industrieruß, ist ein Füllstoff, der in praktisch jedem Reifen steckt und das Gummi schwarz und widerstandsfähig macht. Normalerweise wird er aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Schwalbe setzt das zurückgewonnene rCB nach eigenen Angaben inzwischen in rund 70 Prozent seines Produktportfolios ein. Aus dem alten Reifen wird so zumindest ein Teil eines neuen.

Aus dem alten Reifen wird kein ganzer neuer Reifen. Aber ein Teil davon kommt zurück in die Produktion.

Die Zahlen, die Schwalbe dazu nennt: Mehr als 2.000 Fachhändler in Deutschland machen mit, bis August 2026 wurden dort mehr als 2,6 Millionen Reifen gesammelt und recycelt. Das rCB soll im Vergleich zu fossilem Industrieruß rund 73 Prozent weniger Treibhausgase pro Tonne verursachen. Diese Angabe bezieht sich laut Hersteller auf den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor, also auf die Herstellung des Rohstoffs, nicht auf den gesamten Lebensweg. Unabhängig überprüft haben wir die Zahlen nicht, es sind Herstellerangaben.

Was du in Österreich jetzt schon tun kannst

  • Schläuche: Hier bist du schon heute dran. Schwalbe nimmt alte Schläuche über den Fachhandel zurück, auch in Österreich. Die Butylschläuche des Herstellers sind laut Schwalbe vollständig recycelbar, Gummi und Ventil werden getrennt verwertet. Neue Standardschläuche bestehen zu rund 20 Prozent aus recyceltem Material. Frag einfach beim nächsten Werkstattbesuch, ob dein Händler alte Schläuche sammelt.
  • Reifen: Welche Händler in Österreich am Pilotprojekt teilnehmen, hat Schwalbe bisher nicht veröffentlicht. Wenn du deinen Reifen ohnehin beim Händler wechseln lässt, lohnt die Frage, ob er schon mitmacht.
  • Bis dahin: Ein alter Reifen gehört nicht in den Wald und nicht in den Container neben dem Trailparkplatz. Wohin er bei dir entsorgt wird, weiß deine Gemeinde oder dein Abfallverband.

Eine Einschränkung betrifft gerade Mountainbiker: Viele fahren inzwischen tubeless, also ohne Schlauch. Für sie spielt das Schlauchrecycling kaum eine Rolle. Ob Reifen mit Resten von Dichtmilch im System problemlos angenommen werden, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Auch ob Händler in Österreich für die Rücknahme etwas verlangen, steht dort nicht.

Warum das so ist

Warum Österreich als erstes Land dran ist, erklärt Schwalbe nicht. Naheliegend ist, dass ein kleiner, deutschsprachiger Nachbarmarkt sich gut eignet, um Logistik und Abläufe zu testen, bevor das System in weitere Länder geht. Für Radfahrer in Österreich ist es vor allem eine praktische Frage: Künftig soll es einen geregelten Rückgabeweg für alte Reifen über den Fachhandel geben, unabhängig von der Marke.

Recycling ist dabei nicht dasselbe wie Wiederverwendung. Der Reifen wird zerlegt, ein Teil des Materials kehrt als Rohstoff zurück, Öl und Gas werden weiter genutzt. Wie viel davon am Ende in neuen Reifen steckt und wie die Bilanz über den gesamten Prozess aussieht, lässt sich von außen nur über die Angaben des Herstellers beurteilen. Für dich als Fahrer kostet das System nach heutigem Stand vor allem einen kurzen Gedanken beim Reifenwechsel.

Offen ist noch: Welche Händler in Österreich machen schon mit, und wann kommt die Rückgabe flächendeckend?

Published by Radical Life Studios / MTB Report


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